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Hilfsschulklassen

Die Grundlage für die Errichtung einer Hilfsschulklasse an der Volksschule Schopfheim war ein Erlass des zuständigen Ministeriums vom 19. Oktober 1950.
Aus einem Schreiben vom 24. Januar 1951 an das Kreisschulamt Lörrach geht hervor, dass die Hilfsschule ihre Arbeit aufgenommen hat.
„In die Hilfsschule wurden 27 Kinder eingewiesen. ... Die Unterrichtszeit beträgt 13 bzw. 15 Stunden wöchentlich außer Religion und Handarbeit. Es wäre vielleicht angebracht, die Schopfheim nächsten Schulen auf das Bestehen der Hilfsschule aufmerksam zu machen.“
Ab dem Schuljahr 1957/58 löste Herr Hauptlehrer Jürgen Milde Frau Kraft in der Betreuung der Hilfsschüler ab. Vor seinem Dienstantritt in Schopfheim unterrichtete Herr Milde als Junglehrer und Krankheitsvertreter schon an vier anderen Schulen. Seine letzte Stelle war in Riedichen, wo er Jungen, die bei den Bauern das Vieh hüten mussten, so genannten „Hirtenbuben“, Unterricht erteilte. In dieser Zeit lernte er Herrn Goldschmidt kennen. Daher wollte er ursprünglich an die Hilfsschule Lörrach versetzt werden. Schließlich nahm er dann doch in einem Zimmer im Erdgeschoss des Altbaus der jetzigen Max-Metzger-Grundschule mit 17 Schülern den Unterricht auf. Bei auftretenden Schwierigkeiten holte er sich Rat bei Herrn Goldschmidt. Außerdem belegte er in Basel einen Kurs in Kinder- und Jugendpsychiatrie. 1958 mussten aufgrund der Zunahme der Schülerschaft auf 38 schon zwei Klassen gebildet werden. Eine Gruppe wurde von Herrn Hauptlehrer Paul Weigel übernommen. Von 1959 bis 1960 besuchte Herr Milde das Seminar in Stuttgart, wo er zum Hilfsschullehrer ausgebildet wurde. In dieser Zeit wurde er von der Lehrerin Gertrud Hoch vertreten. Ab 1960 gehörte Frau Irmgard Zimmermann für mehrere Jahre zum Kollegium.

Raumnot

1962 wurden die Hilfsklassen eine eigenständige Hilfsschule. Bis dahin gehörten sie zur Volksschule, deren Rektor Walter Litzelmann war. Herr Milde wurde zum Schulleiter der Hilfsschule ernannt. Die immer eklatanter werdende Raumnot machte ihm große Sorgen. Die Schülerzahlen nahmen in wenigen Jahren enorm zu. 1966 besuchten inzwischen schon 151 Kinder die „Sonderschule für Lernbehinderte“, wie die ehemalige Hilfsschule nun seit 1965 hieß. Sie wurden von 17 Lehrkräften in acht Klassen unterrichtet.

Herr Milde legte am 25.01.1966 in einer mehrseitigen „Denkschrift zur Situation der Sonderschule“ an die Stadt Schopfheim die dramatischen Schulraumprobleme unmissverständlich dar.
„Bereits im vergangenen Jahre musste die weitere Aufnahme einiger dringend sonderschulbedürftiger Schüler aus umliegenden Gemeinden ablehnt werden, da nur 5 Klassenzimmer zur Verfügung stehen: 2 kleinere Räume im alten Volksschulgebäude und 3 Noträume im Gebäude der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Nach dem Neubau des Berufsschulzentrums fallen aber diese letzten 3 Räume fort, da die Landwirtschaftsschule dann abgerissen wird. Nebenräume fehlen völlig.“

Herr Milde kämpfte auf allen politischen Ebenen für einen Neubau. Aus finanziellen Gründen wurde dieser aber von der Stadt abgelehnt. Eine Trägerschaft durch den Landkreis Lörrach kam auch nicht zustande. Im Frühjahr 1968 schien die Lage aussichtslos.
Ein ausführlicher Brief des Staatlichen Gesundheitsamtes Lörrach an das Regierungspräsidium Südbaden vom 28. Juni 1968 belegt den katastrophalen Zustand nach dem Auszug aus der Handelsschule. Herr Oberregierungsmedizinalrat Dr. Graff schreibt:
„Am 28.5.68 musste die Sonderschule die gemieteten Räume in der Handelsschule aufgeben, da der Abbruch dieses Gebäudes begonnen wurde. Die Ersatzräume stehen erst nach dem 14. Juni 1968 zur Verfügung; sie sind über die ganze Stadt Schopfheim verteilt:
1 Schulraum in der alten Gewerbeschule (ohne Mädchentoiletten; auf dem Schulhof warnt ein Schild die Autofahrer, hier nicht zu parken: „Vorsicht Dachziegel - Parken auf eigene Gefahr“!)
1 Schulraum im ehemaligen evangelischen Dekanat, der nur mit künstlicher Belichtung benützt werden kann,
1 Schulraum im Rohbau des neuen evangelischen Gemeindehauses im Keller, in den oberen Stockwerken wird noch gearbeitet,
1 Schulraum im Keller der alten Volksschule mit vergitterten Fenstern; der Raum kann nur mit künstlicher Belichtung benützt werden. ...
Für die gesundheitlichen Folgen, die sich aus der hygienisch nach unserem Dafürhalten untragbaren Unterbringung in den 4 Räumen, die wir oben geschildert haben, für sonderschulbedürftige Kinder in Schopfheim ergibt, lehnt das Staatl. Gesundheitsamt Lörrach jede Verantwortung ab.“

Umzug

Im Herbst 1968 erfolgte der Umzug in die alte Gewerbeschule in der Torstraße 4. Die unmittelbare räumliche Notsituation verbesserte sich dadurch entscheidend, obwohl inzwischen die Schülerschaft auf 174 angestiegen war. Zwei Probleme bedurften jedoch dringend einer Lösung: die Vergrößerung des Schulhofes und die Renovation des Gebäudes, das die Stadt vom Landkreis geschenkt bekommen hatte.
Herr Milde verließ 1970 nach 13 Jahren die Stadt. Er hatte mit dem Aufbau der Sonderschule eine große Pionierarbeit geleistet. Er übernahm als Direktor die Sonderschule der Korkschen Anstalten bei Kehl. Herr Herbert Weisser wurde am 24. April 1970 zu seinem Nachfolger ernannt.
Die pädagogische Arbeit konsolidierte sich. Von den 22 Jugendlichen, die im Sommer 1970 entlassen wurden, begannen 10 eine Lehre. In den nächsten Jahren konnten die Schülerinnen und Schüler besonders in Handarbeit und in Werken beachtliche Erfolge erzielen. Die Kinder zeigten ihre Ergebnisse im Rahmen von Werkausstellungen und Modenschauen, die von der Werklehrerin, Frau Bosselmann, und der Handarbeitslehrerin, Frau Rosa Nohe, organisiert wurden. Von 1973 bis 1977 nahmen die Mädchen regelmäßig mit großem Erfolg an den so genannten „Näh-Hit-Paraden“ teil. Die Schule stellte bei diesem Nähwettbewerb öfters die Landessiegerin. 1976 gewann man eine Reise nach London, 1977 nach Paris. Diese öffentliche Anerkennung tat der ganzen Schule gut.

Pausenhof

1976 stand die Schule wegen einer heftigen Auseinandersetzung um die Vergrößerung des Pausenhofes im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Herr Uwe Hauff, der 1974 als Schulleiter Nachfolger von Herrn Weisser wurde, gab einer Dokumentationsmappe zu diesem Problem den Titel „Das Dilemma um meine Schule“. Die Stadt hatte das Haus „Wallstraße 16“ erworben, um es abzureißen, damit Platz für einen angemessenen Pausenhof geschaffen werden konnte. Die Eltern und Lehrer unterstützten diesen Vorschlag. Da auch der daneben liegende Platz beim „Hans-Sachs“-Brunnen als Spielplatz umgestaltet werden sollte, wäre für die Schüler genügend Pausengelände zur Verfügung gestanden. Es entstand jedoch eine massive Konfrontation zwischen den Gegnern und Befürwortern. Selbst eine Demonstration der Schule auf dem Marktplatz und eine Sendung im Südwestfunk half nichts. Das Haus „Wallstraße 16“ blieb stehen. Im Erdgeschoss sind heute der Filmraum, eine kleine Schulküche und ein Essraum untergebracht. Im Obergeschoss wohnte bis Mai 2002 das Hausmeisterehepaar Kiefer. Der Schulhof ist allerdings immer noch viel zu klein.

Abnahme der Schülerzahlen

Im Schuljahr 1970/71 war mit 202 Jungen und Mädchen die höchste Schülerzahl in der Geschichte der Schopfheimer Sonderschule erreicht. Es mussten 11 Klassen gebildet werden. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Schülerzahl kontinuierlich ab. Der Tiefststand wurde im Schuljahr 1987/88 mit nur noch 65 Schülern in sechs Klassen erreicht. Seit dem Schuljahr 1992/93 hat sich die Zahl bei etwa 90 Schülern eingependelt. Daher wurde es möglich, einen Rhythmikraum einzurichten. Hier können Kurse für die Schüler und kleinere Schulveranstaltungen durchgeführt werden.
Der heute gültige Schulbezirk wurde am 28.07.1977 durch eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung festgelegt. Diese wurde von Schopfheim, Hasel, Hausen, Maulburg und dem Gemeindeverwaltungsverband „Kleines Wiesental“ (Bürchau, Elbenschwand, Neuenweg, Raich, Sallneck, Tegernau, Wies und Wieslet) unterzeichnet. Zur Zeit besuchen auf Antrag der Erziehungsberechtigten 11 Jungen und Mädchen, die außerhalb des o. g. Schulbezirks wohnen, unsere Schule.

Namensgebung

Der Name der Schule wechselte auffallend oft. In Baden-Württemberg wurden 1965 alle „Hilfsschulen“ in „Sonderschulen für Lernbehinderte“, diese wiederum 1991 in „Förderschulen“ umbenannt. Der Überbegriff „Sonderschule“ blieb erhalten. Die „Förderschule“ ist in unserem Bundesland eine von zehn Sonderschularten.
Der Schulträger, die Stadt Schopfheim, benannte die Schule zusätzlich nach Johann Peter Hebel ( 1974 „Hebelschule“, seit dem 13.05.1985 „Johann-Peter-Hebel-Schule“). Somit hatte die Sonderschule wie die anderen Schularten in Schopfheim auch einen zweiten Namen. Dies trug zur Identifizierung der Öffentlichkeit mit der Schule bei.
Mit der heutigen Namensgebung sind die Schüler, Eltern und Lehrer sehr zufrieden.

Reinigung und Verwaltung

Nachdem die Gewerbeschule im Herbst 1968 das Gebäude in der Torstraße 4 verlassen hatte, begann Frau Lämmlin mit der Reinigung. Ab dem 11. Januar 1969 übernahmen Herr und Frau Sprich diese Arbeit. Das Gebäude befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Die Badische Zeitung berichtete am 6. Dezember 1968 u. a.:
„Es bedurfte wohl keines Hinweises von Rektor und Lehrern der Sonderschule, um klarzumachen, dass nebst den unansehnlichen Wänden auch Fußböden, Fenster und Türen der alten Gewerbeschule nur noch Schrottwert haben und der Wind durch die Klassenzimmer pfeift.“
In der ersten Zeit waren im Erdgeschoss noch die Werkstätten der Schlosser, Schreiner und Gipser untergebracht. Herr Sprich half beim Umbau tatkräftig mit. Die Reinigung der Holzböden in den Klassenzimmern, die mit altem Autoöl eingelassen waren, entwickelte sich für das Ehepaar Sprich zu einer „langwierigen und mühseligen Knochenarbeit“. Herr Sprich, der hauptamtlich zunächst noch beim Bauhof tätig war, wurde am 1. September 1969 fest als Hausmeister der Sonderschule angestellt. Wie stark sich das Ehepaar Sprich mit ihrer Aufgabe identifizierte, macht eine Aussage von Herrn Sprich deutlich: „Wir haben die Schule angesehen, als ob sie unser Eigentum wäre.“ Im zweiten Obergeschoss der Schule wurde für das Hausmeisterehepaar eine Wohnung eingerichtet. Die Familie Sprich zog aber in den Hausmeisterbungalow des Gymnasiums, da Herr Sprich dem dortigen Hausmeister, Herrn Löffler, beim Abenddienst aushalf und Frau Sprich als Raumpflegerin ins Gymnasium wechselte. Am 1. September 1969 übernahm Frau Kiefer die Stelle von Frau Sprich. Sie versieht seither diesen Dienst mit großem Engagement ununterbrochen bis zum heutigen Tag. Anstelle von Familie Sprich zog am 1. Dezember 1969 Familie Kiefer in die neue Wohnung ein. Seit Ostern 1977 lebt sie in der Wallstraße 16. Die frei gewordenen Räume wurden zu Klassenzimmern umgebaut. Herr Kiefer trat im Mai 1981 die Nachfolge von Herrn Sprich an, der ganz ins Gymnasium wechselte. Als ehemaliger Mitarbeiter hat Herr Kiefer sehr gute Kontakte zum Bauhof, was der Schule bis heute sehr zugute kommt. Im Dezember 2002 wurde er pensioniert, seine Nachfolge trat Herr Pfeifer an.
Die erste Sekretärin war Frau Bauer. Sie arbeitete zunächst morgens noch im Rathaus und erst mittags in der Schule. 1972 folgte Frau Waselowsky, die auch für die Dr. Max-Metzger-Grundschule zuständig war. Nachdem sie ganz dorthin wechselte, wurde sie von Frau Schreier abgelöst. Seit dem 13. Juni 1977 ist Frau Link unsere Schulsekretärin. Anfangs arbeitete sie zusätzlich noch in der Ortsverwaltung Wiechs. Im letzten Jahr konnte Frau Link ihr 20-jähriges Arbeitsjubiläum an unserer Schule feiern. Frau Link gilt als die „gute Seele des Hauses“. Aufgrund ihrer großen Erfahrung ist sie der Schulleitung eine wichtige Stütze.
Nach ihrer Pensionierung übernahm Frau Gaby Meinicke am 01.02.1999 die Arbeit im Sekretariat.