So fing alles an ...
Die Entwicklung der Kooperation zwischen der Johann - Peter - Hebel - Förderschule und den Beruflichen Schulen Schopfheim
Der Wunsch, benachteiligten Schülerinnen und Schülern den Weg ins Berufsleben zu erleichtern, war schon immer großes Ziel der Lehrerinnen und Lehrer der Hebelschule und der Berufsschulen. Dazu suchten und fanden sie regelmäßig Mitstreiter, die sich auch für diese Ziele einsetzten, und Schulleitungen, die sie dabei tatkräftig unterstützten. So entwickelte sich Schopfheim zu einem Zentrum, wo Schülerinnen und Schüler aus dem Wiesental gezielt auf einen Schulabschluss und den Übergang von der Schule ins Berufsleben vorbereitet werden. Wie kam es dazu?
In der größeren Kreisstadt Lörrach gab es Mitte der 80er Jahre ein sonderpädagogischer Schulversuch der Pestalozzi – Förderschule und der Hauswirtschaftlichen und der Gewerblichen Berufsschule Lörrach. Das fand auch Interesse in Schopfheim. Oberstudiendirektorin Marie - Luise Müller, der Leiterin der damals noch selbständigen Hauswirtschaftsschule, übernahm die Initiative. In Ernst - Günther Steinfurth, dem Leiter der Gewerbeschule, sowie Uwe Hauff, dem Schulleiter der Hebelschule, fand sie gleich interessierte Mitstreiter. Immer waren Lehrer der beteiligten Schulen mit dabei, die mit großem Einsatz auf das Ziel KOOPERATION hinarbeiteten. Fast alle Entlassschüler der Förderschule besuchen anschließend eine Berufsschule und treffen dort auf ein neues Umfeld.
Die Ziele
- Schwellenängste vor der fremden Einrichtung “Berufsschule“ abbauen
- Einstellen auf andere Lehrkräfte und andere Unterrichtsstile
- Orientierung in Berufsfeldern und in neuen Lebensbereichen
- Stärkung des Selbstwertgefühls
- Realistischere Selbsteinschätzung
- Entwickeln einer Handlungskompetenz sowohl in Bezug auf das persönliche als auch auf das berufliche Leben
- Erhöhung des Durchhaltevermögens
Diese Ziele sollen durch Unterricht in überschaubaren Gruppen und intensive Förderung durch erfahrene Lehrer erreicht werden. Es soll projektorientiert gearbeitet werden, d.h. es wäre die Chance gegeben, dass die Schüler die Lerninhalte mitbestimmen könnten. Doch es wäre zu schön gewesen, wenn alles gleich geklappt hätte.
Die Anfangsjahre
Anfang 1989 wurde ein erster Antrag auf Genehmigung einer Kooperation vom Oberschulamt Freiburg aus Kostengründen
abgelehnt. Außerdem sollte kein Präzedenzfall für die Übertragbarkeit auf andere Kreise des Landes geschaffen werden.
Fragen wie gesetzlicher Unfallversicherungsschutz, Finanzierung der Sachkosten durch die Schulträger, Zuweisung von
Lehrerstunden, Abstellung von Lehrkräften für die Kooperation usw. mussten geklärt werden. So konnten die beteiligten Schulen nur „im kleinen Rahmen“ ohne den Titel “Kooperation“ im Schuljahr 1989/90 mit einer Zusammenarbeit beginnen. Im ersten Jahr waren neben den Schulleitungen die Lehrkräfte Karl - Ernst Geiger von der Hebelschule und Ursula Zerrer von der Hauswirtschaftsschule aktiv. 1990 kam es zwischen der Stadt Schopfheim und dem Landkreis Lörrach, den Schulträgern, zum Abschluss einer “öffentlich - rechtlichen Vereinbarung“ betreffs Übernahme der Kosten. Im zweiten Jahr folgte Hugo Brauer von der Hebelschule, wobei der Klassenlehrer ab dieser Zeit die Schüler begleitete. Die nun folgende Genehmigung der Kooperation zwischen der Johann - Peter – Hebel - Schule Schopfheim und den Berufsschulen Schopfheim mit Erlass des Regierungspräsidium Freiburg vom 20.07.1990 sorgte für die notwendige Grundlage für die weitere Arbeit. Zum Ende des Schuljahres wurde ein Erfahrungsbericht vorgelegt, der auf Erfolge verweisen konnte und die weitere Arbeit empfahl. Im dritten Jahr kam dann die “handwerkliche Berufsschule“ dazu. Die Schüler der neunten Klassen wurden in zwei Gruppen geteilt, im ersten Halbjahr bekamen sie Unterricht in Hauswirtschaft / Textiles Werken, im zweiten Halbjahr in zwei neuen Berufsfeldern mit den Berufsschullehrern Heinz Wendelspieß (Holz) und Hanspeter Schwald (Farbe).
Nun war eine Basis gefunden, auf der alle Schulen weiter aufbauen konnten. In der Hebelschule wurde Karl - Ernst Geiger die treibende Kraft für die weiteren Jahre. Einmal jährlich trafen sich Schulleitungen und beteiligte Lehrkräfte zum Erfahrungsaustausch.
Nach fünf Jahren
konnte Karl - Ernst Geiger, mittlerweile Konrektor der Hebelschule, bereits schöne Erfolge vorweisen. Aus dieser Kooperation entstanden in den ersten Jahren bereits dauerhafte Projekte. Ein Marktstand wurde gebaut, Klassenzimmer renoviert, Beschilderungen an der Schule angefertigt. Auch der Hebel – Pavillon im Sengelenwäldchen wurde hergerichtet. Nicht nur die Klassenlehrer der Hebelschule wechselten. In der Förderschule wurde Johann Tritschler 1991 neuer Schulleiter. 1992 ging die Selbständigkeit der Hauswirtschaftsschule verloren – sie wurde Außenstelle der Hauswirtschaftsschule Lörrach. Trotzdem ging die Zusammenarbeit weiter. 1995 konnten von der Hauswirtschaftsschule zunächst keine Lehrerstunden mehr bereitgestellt werden, doch die intensiven Bemühungen von Marie - Luise Müller führten im zweiten Halbjahr zum Erfolg. Die Gewerbeschule war weiter mit zwei Lehrern beteiligt. 1998 wurde deren Leiter Ernst - Günther Steinfurth in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger Oberstudiendirektor Jakob Rauter unterstützte die Kooperation weiter.
Im März 2000
folgte dann die erste “große Ernte“ der Bemühungen. In feierlichem Rahmen wurde der zehnte Geburtstag gefeiert. Dabei wurde deutlich: Das Projekt ist mittlerweile von allen Seiten anerkannt. Alle Schulleitungen, voran Marie - Luise Müller, die eigentliche Initiatorin, konnten auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zurückblicken und Resümee ziehen. Johann Tritschler stellte besonders die Tatsache hervor, dass im Landkreis Lörrach alle beruflichen Schulen mit Förderschulen kooperieren. Er wünschte sich, dass das Projekt weiter in bewährter Art und Weise fortgeführt werde, da es schon seit längerer Zeit ein unverzichtbarer Teil des Schulprofils der Hebelschule geworden sei. Jakob Rauter stellte fest, dass der Erfolg des Projekts den “Machern“ Recht gibt. Beide Seiten hätten in all den Jahren davon profitiert. Somit ist das Projekt für die Schüler von großem Nutzen. Die Kooperation mit der Hebelschule wurde sogar Vorbild für das Berufsvorbereitungsjahr - Projekt mit
der Hauptschule. Auch Bürgermeister Klaus Fleck, Schopfheim, Dezernent Wolfgang Eisele vom Landratsamt und Schulrat Diethart Spira beglückwünschten mit lobenden Worten alle Verantwortlichen. Oberstudiendirektorin Theresia Leute, geschäftsführende Schulleiterin aller Berufsschulen im Kreis, verglich in ihrer Rede das Projekt mit einem Netzwerk, das von Personen abhängig sei. Sie unterstrich, dass die Kooperation auf Initiative der Förderschule entstanden sei. Trotz Lehrermangel stellten sich die beruflichen Schulen dieser Herausforderung, und das mit Erfolg. Bald nach dem großen Ereignis wurde Marie - Luise Müller in den Ruhestand verabschiedet und Christel Voss übernahm die Leitung der Schopfheimer Außenstelle. Auch sie führt die Arbeit ihrer Vorgängerin weiter und sorgt immer für die gute Atmosphäre bei
den regelmäßigen Treffen. Auch für Jakob Rauter begann 2007 der Ruhestand. Ralf Dierenbach übernahm die Leitung der
Gewerbeschule.
Kooperationsklasse
Mit dem Schuljahr 2004/05
kam dann eine entscheidende Veränderung. Die erste Kooperationsklasse wurde unter dieser Bezeichnung als zweijähriger Schulversuch gebildet. Er umfasst die Klasse 9 der Förderschule und das Berufsvorbereitungsjahr an den Berufsschulen. Da die Johann - Peter - Hebel - Schule schon länger gute Kontakte zu der Gewerbeschule und zur Hauswirtschaftsschule in Schopfheim pflegte, konnte an diesem Standort auf eine bereits bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit zurückgegriffen werden. Die Schüler der Klassen 8 der Hebelschule Schopfheim und der Johann - Faller – Förderschule in Zell und ihre Eltern werden jährlich über dieses Kooperationsmodell informiert. Die Erziehungsberechtigten
stellen einen Antrag zur Aufnahme in diese Klasse. Da die Förderschulen keine Abschlussprüfungen haben, ist das große
Ziel das Bestehen eines Abschlusses. Wer also bereit ist, sich im Unterricht und bei Hausaufgaben zu engagieren, kann von den Schulleitungen und den Klassenlehrern für die Kooperation ausgewählt werden.
Kriterien
- Lernverhalten, das einen Abschluss möglich erscheinen lässt
- gute Leistungen, besonders in Deutsch und Mathematik
- Regelmäßiger, pünktlicher Schulbesuch
- eigenständiges Arbeiten im Unterricht
- Regelmäßiges Erledigen der Hausaufgaben
- Bereitschaft, Verantwortung für sich selber zu übernehmen
- Schülergemäße, respektvolle Umgangsformen
Für die Klaasse 9
werden die Zeller Schüler an die Hebelschule übergeben und sind damit Schüler dieser Schule. Sie kommen aus einem
Einzugsbereich, der bis Todtnau - Brandenberg reicht. Die Kooperationsschüler besuchen den Unterricht an einem Tag pro
Woche in der Gewerbeschule und in der Hauswirtschaftsschule und lernen dort Lehrer kennen, von denen sie später in der zehnten Klasse weiter unterrichtet werden.
In der Klasse 10
(zweites Jahr der Kooperation, bisher Berufsvorbereitungsjahr) sind die Jugendlichen Schüler der Gewerbeschule. Der Klassenlehrer aus dem 9. Schuljahr unterrichtet stundenweise weiter in dieser Klasse an der Gewerbeschule und / oder Hauswirtschaftsschule und gibt damit die in Klasse 9 erhaltenen Stunden wieder zurück.
Neue Ziele der Kooperationsklasse
Die Klasse bleibt über zwei Jahre in einem geschützten Rahmen zusammen und hat so höhere Chancen bei der Abschlussprüfung. Mit Zusatzprüfungen in Deutsch und Mathematik kann ein dem Hauptschulabschluss gleichwertiger Abschluss erreicht werden. Wenn ein Förderschüler diesen nicht erreicht, kann er doch mit dem Abschluss des Berufsvorbereitungsjahres entlassen werden. Der wiederum ist Voraussetzung für Fördermaßnahmen über die
Agentur für Arbeit.
Im Jubiläumsjahr 2010
stehen die Schulleitungen noch genau so fest zur Kooperation wie am Anfang. Die Lehrer, die in den Kooperationsklassen
unterrichten, können sich auf ihre Schulleitungen verlassen. Geht nicht – gibt’s nicht! Wenn neue, sinnvolle Vorschläge und Ideen vorgebracht werden, heißt es gleich: „Machen wir“, und dann wird geprüft, wie die Vorschläge am besten umgesetzt werden können. Darum beneiden viele Kolleginnen und Kollegen im ganzen Bereich des Regierungspräsidiums die Schopfheimer, wie sie bei den regelmäßigen Fortbildungen erfahren dürfen. Ein weiterer großer Vorteil ist das gewachsene Team. Mit Erich Peter und Bernhard Ritter von der Hebelschule, Elisabeth Wellinger - Rovito von der Mathilde – Planck - Schule (Hauswirtschaft), Claudia Burget und Hanspeter Schwald von der Gewerbeschule hat sich zusammen mit der Jugendberufshelferin Brigitte Sigl (Vermittlung - Jugend – Berufshilfe VJB) eine Gruppe überdurchschnittlich engagierter
Lehrer gefunden. Sie stehen seit mehreren Jahren mit ganzer Kraft für die Kooperation und beginnen schon in der Klasse neun damit, die Wege zum Schulabschluss nach der Klasse zehn zu ebnen und die Schüler auf die richtige Spur zu bringen. Die Erfolge der letzten Jahre geben ihnen Recht und belohnen sie für die vielen Mühen.
Das KOOP – Team im März 2010
(v.l.): Erich Peter, Hanspeter Schwald, Claudia Burget, Bernhard Ritter und Elisabeth Wellinger – Rovito
Dokumentation: Bernhard Ritter
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