Der Patenkreis
ein Modell der Johann-Peter-Hebel – Förderschule
und der Seelsorgeeinheit Mittleres Wiesental
Vorgeschichte
Es gibt immer Schüler, die sich an “ihrer“ Schule wohl und geborgen fühlen und von ihren Lehrerinnen und Lehrern gut beraten werden. Die Johann-Peter-Hebel-Förderschule in Schopfheim mit ihrem gemeindenahen Profil unterhält gute Kontakte zu Eltern, Freunden der Schule im Förderverein und auch zu Betrieben in der näheren Umgebung. So kamen immer wieder ehemalige Schülerinnen und Schüler an ihre Schule, um zu erzählen, wie es ihnen geht, was sie arbeiten, aber auch um Sorgen und Nöte mit den ihnen vertrauten Lehrern zu besprechen, um Rat, vielleicht sogar Hilfe zu bekommen.
Das geschieht in der Hebelschule schon viele Jahre so, und immer fühlten sich Lehrerinnen und Lehrer für ihre Schützlinge auch nach deren Schulzeit weiter verantwortlich. Waren anfangs persönliche Kontakte noch hilfreich, zeigte sich im Laufe der Zeit, dass diese offensichtlich für den aktuellen Bedarf nicht ausreichen. Viele Schüler, die die Förderschule nach der 9. Klasse verlassen, benötigen erfahrungsgemäß – trotz intensiver schulischer Vorbereitung auf das Berufsleben – weitere Unterstützung bei der beruflichen Integration. Häufig nahmen und nehmen diese Jugendlichen zu ihrer ehemaligen Schule wieder Kontakt auf, wenn sie Hilfe brauchten.
Entwicklung
Das führte dazu, dass der Schulleiter der Hebelschule, Sonderschulrektor Johann Tritschler, schon im Frühjahr 1997 im Rahmen des Lehrerbedarfsberichts einen Antrag an das Staatliche Schulamt Lörrach richtete mit der Bitte, Deputatsstunden für die Nachbetreuung ehemaliger Schüler zu erhalten. Dieser Antrag wurde damals “natürlich“ abgelehnt. Bald folgte der nächste Briefwechsel, denn das Problem bestand weiter und wurde zusehends größer, nahmen doch immer häufiger ehemalige Schülerinnen und Schüler Kontakt zur Hebelschule auf, weil sie auch nach der Schulzeit noch Hilfe brauchten. Die Lehrkräfte konnten die nachschulische Betreuung aus Zeitgründen nicht mehr optimal leisten. Das Staatliche Schulamt erkannte nun das aktuelle Problem und bot an, Stunden aus dem Oberstufenbereich für diese Nachbetreuung einzusetzen. Das war aus Sicht der Schule aber nicht möglich, weil sonst der Unterricht in der Oberstufe hätte reduziert werden müssen. Aber: Die Problematik war im Schulamt erkannt und der Handlungsbedarf wurde akzeptiert.
Unabhängig von diesen Bemühungen der Hebelschule war auch die katholische Kirche aktiv. Die Klausurtagung des Katholischen Dekanats Wiesental im Sommer 1998 beschäftigte sich mit dem Thema “Kirche und Arbeitswelt“ und machte dieses für die nächsten drei Jahre zum Schwerpunkt der Arbeit: “Wie können benachteiligte Jugendliche auf dem Weg von der Schule zu einer Arbeitsstelle begleitet werden?“ Die Arbeitslosigkeit war groß und die Chancen für die Entlass-Schüler der Förderschule relativ schlecht. Eine weitere Initiative in diese Richtung war auch das “Projekt Bürgerengagement“ des Landkreises Lörrach.
So nahm Rita Sprich, Gemeindereferentin der katholischen Kirche und Religionslehrerin an der Hebelschule, Kontakt zur Friedrich-Ebert-Schule, zu Karl – Ernst Geiger, Konrektor der Hebelschule, und zu Handwerksmeistern verschiedener Schopfheimer Betriebe auf. Nun ging es Schritt für Schritt weiter. Im Januar 1999 fand eine erste “Patenschaftssitzung“ im katholischen Gemeindehaus statt, im Februar folgte ein Informationstreffen mit Meistern von Handwerksbetrieben. Daraus ergab sich im März ein erstes Treffen von 16 interessierten Patinnen und Paten, die im April von Klaus Schroeder, dem zuständigen Reha – Berater des Arbeitsamtes Lörrach, mit relevanten Informationen versorgt wurden. Die fachliche Betreuung erfolgte zunächst durch Frau Gisela Hendlmeier, der Schulsozialarbeiterin an der Gewerbeschule Lörrach. Ab Februar 2001 übernahm Frau Anja Wintermantel, Jugendberufshelferin an der Gewerbeschule Schopfheim, diese Funktion. Seit September 2002 betreut Brigitte Sigl, Mitarbeiterin des Vereins “Vermittlung - Jugend - Berufshilfe“, die Paten. So hat sich im Laufe der Zeit eine Gruppe gebildet, die “Patenkreis“ genannt wird.
Umsetzung
Die Paten kommen unter der Leitung des Rektors zu regelmäßigen Treffen zusammen, bei denen sie sich austauschen und Rat holen. Klassenlehrer der Oberstufe nehmen an diesen Sitzungen ebenfalls teil. Die Arbeit der Paten erfolgt grundsätzlich ehrenamtlich, das heißt freiwillig und unentgeltlich. Sie betreuen mittlerweile Schüler der Oberstufe, vorwiegend ab Klasse 9, unterstützen bei Schul- und auch Hausaufgaben, geben Nachhilfe in den Fächern, die den Schülern besonders schwer fallen, begleiten sie weiter in der Berufsschule und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Bei guten Leistungen im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) kann der Hauptschulabschluss erworben werden. Dabei halten die Paten ständig Kontakt mit den jeweiligen Lehrern der Schulen und den Ausbildern in den Betrieben. Heute gehören rund 15 Frauen und Männer dem Kreis an. Sie kommen aus unterschiedlichen Berufen und sind gerne bereit, ihre Freizeit für benachteiligte Jugendliche einzubringen und sie auf dem Weg zu einer Ausbildung und einem festen Arbeitsplatz zu begleiten. Schirmherrin des Patenkreises ist Ortrun Schätzle, MdB a.D.
Zur Unterstützung der Paten entwickelte sich schon von Anfang an ein Arbeitskreis, der Beirat. Dem Beirat gehören Vertreter der Kirchen, der Caritas, des “Verein - Jugend – Bildung (VJB)“, der Stadt Schopfheim und des Landratsamtes Lörrach an. Der Patenbeirat trifft sich vierteljährlich zur Beratung. Er bildet organisatorisch den Rahmen, um den Paten den Rücken frei zu halten. Zu seinen Aufgaben gehört die Öffentlichkeitsarbeit, die Werbung um neue Paten, die Organisation von Fortbildungen und die konzeptionelle Weiterentwicklung des Patenprojekts. Er hält Kontakt zum Förderverein der Hebelschule, zum Landratsamt und sucht Geldgeber, die die Aufgaben unterstützen.
Das Schopfheimer Modell
In den letzten Jahren ist das Schopfheimer Patenkreis – Modell durch mehrere verschiedenartige Kontakte überregional bekannt geworden. Es ist in dieser Ausprägung einzigartig. Vertreter der Schule und des Patenkreises werden eingeladen, das Projekt vorzustellen und über die Arbeitsweisen zu berichten. Der Präsentation bei den “Religionspädagogischen Gesprächen“ in Schopfheim folgten weitere Vorstellungen unter anderem beim Pädagogisch – Theologischen Zentrum in Stuttgart, am Tag des Bürgerengagements des Landkreises Lörrach, im Innocel Lörrach, bei der Landesverbandstagung von “LERNEN FÖRDERN“ in Stuttgart, bei der Dienstbesprechung aller Förderschulen Südbadens, bei der Didacta 2008 in Stuttgart bis hin zu einem Workshop über die berufliche Integration junger Menschen mit Behinderung an der Humboldtuniversität in Berlin. Die letzte Vorstellung des Schopfheimer Patenmodells fand im Mai 2009 bei einem Seminar von “LERNEN FÖRDERN“ über die berufliche Eingliederung von Förderschülern in Erkner bei Berlin statt. Überall wurden die Informationen mit großem Interesse aufgenommen.
Wer sich als Pate engagieren möchte, kann sich bei der Hebelschule unter 07622 – 2562, bei Rita Sprich, 07622 – 2024, Ortrun Schätzle, 07622 – 4552 melden.
Zeitungsbericht
Den Bericht aus der Zeitschrift Lernen Fördern, Heft 2/07 Seite 9 ff finden Sie » hier. [643 KB]
Patenmodell Hebelschule